Saturday, January 17, 2026

Eine kleine Berlinerin entdeckt Exeter, 1-9 Dezember 2025

Mein erster Exeter Besuch Dezember 2025 

1. Dezember 2025, Montag

Aufgeregt, in letzter Sekunde doch noch an alle Reisevorbereitungen gedacht (Heizung herunter stellen, Wasser abstellen), stand das Taxi pünktlich um 8:45 Uhr vor der Tür. Meine lieben Nachbarinnen Sylvie und Ingie halfen mir, den großen Koffer mit 21,5 kg (immerhin, denn 23 kg waren erlaubt), die Treppen hinunter zu tragen und sich liebevoll für eine lange Zeit von mir zu verabschieden.

Um 11:30 Uhr sollte der Flug vom BER-Flughafen nach Bristol abgehen. Nur 10 Minuten Verspätung! Eine halbe Stunde zuvor hatte ich noch je eine Reisetablette gegen Übelkeit und Angstzustände eingenommen, die ein Segen für mich waren, denn ich bin kurz nach dem Start eingeschlafen und kurz vor der Landung wieder aufgewacht. Und dann empfing mich auch schon Ian in Bristol mit einem herzlichen Willkommensschild: „Homuncula mea“. War das eine Freude! Und natürlich regnete es. Wir hatten genügend Zeit zum Kaffeetrinken. Um 15:10 fuhren wir mit dem Bus in Richtung Südwesten, wo wir dann noch einmal umsteigen mussten, um nach Exeter zu gelangen.. Gegen 19:00 Uhr hatten wir es geschafft. Ian hatte alles liebevoll für einen gemütlichen Abend vorbereitet. Natürlich auch mit Fish and Chips.

2. Dezember 2025, Dienstag

Um 12 Uhr hatten wir Julie (Schwester von Jill) in Topsham einer kleinen Stadt etwa fünf Km südlich von Exeter, besucht. Ian ist verantwortlich für ihre aktuelle Dokumentenbearbeitung; üblicherweise jeden Dienstag. Und heute war Dienstag. Nach dem Durchsehen der Unterlagen gingen wir gemeinsam zum Mittagessen im Gemeindezentrum Nancy Potter House, von der Stiftung Estuary League of Friends. Wir mussten spätestens 16 Uhr wieder zuhause sein, denn da sollte eine Tesco-Lieferung für unser Wohlergehen mit Esswaren und Wein geliefert werden. Anschließend hatte ich genügend Zeit, um all meine Sachen auszupacken und unterzubringen. Ian hatte ausreichend Schubfächer und Schrankplatz für mich frei geräumt. Wir haben gemeinsam das Abendessen zubereitet und einen schönen Abend uns gestaltet; es gab so viel zu erzählen.

Abendtisch, Exeter

3. Dezember 2025, Mittwoch

Um 11 Uhr besuchten wir im Stadtmuseum (Royal Albert Memorial Museum) eine Veranstaltung fuer die Freunde des Museums über die Geschichte der Pantomimes, von Alan Caig gegeben. Was für eine interessante andere Welt für mich!. Selbst Prinz Albert wurde pantomimisch bedacht. Anschließend um 13 Uhr waren wir mit Kate beim Italiener „Sabatini“ zum gemeinsamen Mittagessen verabredet. Ich glaube, dass wir uns beide gefreut hatten, uns endlich kennen zu lernen, jedenfalls so gut es möglich war, denn meine Englischkenntnisse sind ziemlich schwach. Aber ich glaube, dass wir uns gegenseitig sympathisch fanden.

Royal Albert Memorial Museum (RAMM), Exeter, Albert in Pantomime-Kleid

Und nun hatten wir Zeit, dass ich Exeter etwas kennenlernen konnte. Wie schön lag die Stadt vor mir mit der mächtigen Kathedrale und dem Lachen und Schreien der Möwen. Ich war begeistert. Die Farben und das Licht des Himmels! Dazu herrlicher Sonnenschein. Alles passte zu Exeter und der Vorweihnachtszeit. Was für ein Zauber lag über diese Stadt. Wir schlenderten über den Weihnachtsmarkt, um im Chapter House Refectory im Kreuzgang der Kathedrale  einzukehren. Ian besucht dieses Cafe häufig, auch um sich mit Kate hier zu treffen.

Kathedrale mit Weihnachtsmarkt

4. Dezember 2025, Donnerstag

Heute hatten wir zwei Termine: Lunch im kleinen Dorf Broadclyst und Backgammon am Abend:

Um 11.30 Uhr wurden wir von Susie und Richard zum Truthahnessen und Christmas Pudding des Exeter University Clubs abgeholt. Wie freundlich und zugewandt wurde ich von allen in dem Red Lion Inn begrüßt. Es war eine lustige Tafelrunde. Auf dem Tisch fand jeder ein kleines Überraschungsgeschenk in einem Knallbonbon: eine Papierkrone, die von allen sofort aufgesetzt wurde. Very British!

Exeter University Club, Weihnachtfest, Broadclyst
Susie und Richard brachten uns bis Heavitree zurück wo wir die alte Kirche besuchten, um die Zeiten der Weihnachtlichen Gottesdienste zu entdecken. Neben dem Turm,  im 16ten Jahrhundert gebaut, steht eine uralte Eibe, vielleicht der "head tree" (heafod treow) der Heavitree seinen Ortsname gegeben hat.

Heavitree Church, Exeter, mit Weihnachtsprogramm

Um 19.30 Uhr war die Einladung zum Backgammon-Spiel (regelmässiges Treffen einmal im Monat). Heute fand es bei Patricia (Pat) statt. Wir fuhren zunächst mit dem Bus bis Rewe, um von James Muirden, geübter Meister im Backgammon-Spiel, und seiner Partnerin Mary, den letzten Weg zu Pat zu Fuss im kleinen Dorf, wo es so gut wie keine Beleuchtung gibt, begleitet zu werden. Wie herzlich und freundlich wurden wir von Pat begrüßt. Das hatte ich nicht erwartet, und dass auch all die anderen Gäste der Spielgruppe ähnlich herzlich waren. Ich glaube, dass sie mich am liebsten in deutsch begrüßt hätten. Den Eindruck hatte ich jedenfalls. Natürlich weihte mich der Weltmeister in das Spiel ein. So gut gewappnet konnte ich die zweite Runde gegen Mary wagen – und ich gewann! Sie hat mir aber auch gute Tipps gegeben. Nach dem Spielen wurden Kaffee und Tee mit Süßigkeiten gereicht. Es war noch so gemütlich in dem interessanten und künstlerisch eingerichteten Haus (früher eine Scheune). Und was für ein Glück, die Tochter von James, Emma, war heute auch wieder mit dabei, und da sie in der Nähe von Ian wohnt, hat sie uns mit dem Auto nach Hause gefahren.

5. Dezember 2025, Freitag

Heute kam Jill (Schwester von Ian) uns besuchen. Sie ist über das Wochenende in Exeter, um uns, Kate und Matt mit ihren Kindern Sennen und Pippa sowie eine Freundin in Torquay zu treffen. Ich war sehr gespannt, sie kennen zu lernen. Über Zoom hatte ich sie schon bei den sonntäglichen Familientreffen erlebt. Ian hatte Chickens Kyiv mit Gemüse vorbereitet. Es wurde ein schöner, fröhlicher Abend. Jill kann etwas deutsch sprechen und noch besser verstehen. Sie lebte vor ca. 30 Jahren eine Zeitlang in Essen. Wenn ich Jill beschreiben soll, dann ganz einfach so: Jill ist eine Persönlichkeit. Diese strahlt sie aus, und die will ich kennen lernen.

Ich stoße an mit Ian's Schwester Jill

6. Dezember 2025, Samstag

Um 11 Uhr waren wir mit Jill im Kreuzgang-Cafe verabredet. Nach einem gemeinsamen Frühstücks-Ersatz gingen wir shoppen. Jill wollte nach einem neuen Pullover oder einer Bluse Ausschau halten, Ian musste überredet werden, sich eine neue Jacke zu kaufen, und ich wollte ein neues Kleid für Weihnachten haben. Wir entschieden uns für das Bekleidungsgeschäft Seasalt (in England sehr beliebt und bekannt für gute Qualität). Jill hatte kein Glück, etwas Geeignetes zu finden, aber für mich hat sie zwei Kleider entdeckt, eines für Weihnachten und ein anderes als Geburtstagsgeschenk von Ian. Ich hatte die Kleider übersehen, obwohl sie so schön sind und gut zu mir passen. Schließlich fanden wir für Ian eine passende Winterjacke sowie ein schönes kariertes Winterhemd als Weihnachtsgeschenk von mir. Wir gingen weiter in ein anderes Kaufhaus, um für Jill doch noch etwas Richtiges zu finden, aber ohne Erfolg. Ein Geldautomat bei der HSBC-Bank rundete unseren Kaufrausch ab. Ich benötigte Bargeld.

Nun war noch Zeit für ein Besuch in der alten Stiftungsbibliothek the Devon and Exeter Institution, gegrundet 1813 um in diesem schönen Ambiente Kaffee und Kuchen beziehzngsweise Glühwein zu uns zu nehmen. Ian, als Insider. wusste, wie man eine Bücherwand öffnen konnte, um zur Toilette zu gelangen aber der Cafe war nicht offen als wir besuchten. 

Jetzt stellte ich fest, dass ich irgendwo meinen linken Handschuh verloren haben musste. Wir fuhren mit dem Bus stadtauswärts zu Waitrose ein „gehobener“ Supermarkt, um noch ein paar Kleinigkeiten für Sonntag einzukaufen und auch noch einen Kaffee zu uns zu nehmen. Anschließend waren wir bei Kate zum Dinner eingeladen. 

Ich freute mich sehr, Kate wieder zusehen und Sennen und Pippa sowie Matt kennen zu lernen. Matt hat gekocht. Es gab Truthahn mit eine reiche Auswahl von Gemüsen. Das Essen war hervorragend, besser noch als das, was wir mit dem Exeter University Club zu uns genommen haben. Ohne groß zu überlegen, wie herzlich wurde ich von allen empfangen. Ich habe mich gleich in der Familie von Ian gut aufgehoben gefühlt. Weihnachtsstimmung kam in mir auf; insbesondere wegen Sennen und Pippa. Kindheitserinnerungen wurden wach. Ich sah, wie Sennen Karten mischte und dabei zu uns hinüber sah. Ian und ich haben ihn gefragt, was das für ein Kartenspiel sei: UNO! Und wir drei begannen, sofort zu spielen, nachdem Sennen die Spielregeln Ian erklärt hatte. Wir hatten gemeinsam viel Freude. Ein sehr schöner Abend mit Ian’s Familie ging zu Ende, bevor wir gemeinsam mit Jill in einem Taxi nach Hause fuhren.

Zu Tisch bei Kate und Matt. Von rechts zu links: Jill, Pippa, Sieglinde, Ian, Sennen und Matt

7. Dezember 2025 Sonntag

Den ganzen Tag über war Regen angesagt. Wir entschieden uns, zuhause zu bleiben und Weihnachtspost zu erledigen. Ich schreibe gern zu Weihnachten an meine Lieben. Wir haben es uns dabei sehr gemütlich gemacht mit Weihnachtsoratorium, gutem Essen und gutem Wein. (Primitivo) Wieder ein schöner gemeinsamer Tag.

8. Dezember 2025, Montag

Nach dem Frühstück gingen wir in die Stadt, um einige Einkäufe zu erledigen und für mich die Stadt weiter kennenzulernen. Wir nahmen einen anderen Weg und Ian führte mich zum lebhaften Studio 36, vom Künstlerin Veronica Gosling geführt. Sie war neulich gestorben und Ian hatte eine kurze Würdigung für St. Leonard's aufgehängt. 

Studio 36 mit Ian's Würdigung. Veronica sagte sie  möchte als eine Möwe zurückkommen

Es war wieder ein herrlicher Tag, fast frühlingshaft. Die Stadt Exeter hat sich in all ihrer Schönheit mit der Kathedrale, den römischen Spuren, den schönen Häusern und dem Möwengeschrei wieder von ihrer besten Seite gezeigt. Wir gingen zur HSBC-Bank, um nach meinem verloren gegangenen Handschuh nachzufragen. Leider ohne Erfolg. Wir schlenderten weiter durch die Stadt und gingen zu Marks and Spencer, um nach neuen Handschuhen für mich zu suchen. Wir fanden sie; noch ein Weihnachtsgeschenk von Ian. Nun hatten wir Lust, essen zu gehen. Wir kehrten ein bei einem Italiener (Pizza Express) am Weihnachtsmarkt mit Blick auf die Kathedrale. Wir hatten den besten Platz und haben die Stimmung draußen auf dem Weihnachtsmarkt und der erleuchtetet Kathedrale im Restaurant miterlebt als wären wir selbst dabei. Das Menü mit Trüffel, das vorgeschlagen wurde, war ausgezeichnet und der Primitivo und die Stimmung auch.

9. Dezember 2025, Dienstag

Heute um 12.00 besuchten wir wieder Julie in Topsham. Ian schaute als erstes wie üblich ihre eingehende Post und die Dokumente durch. Danach gingen wir gemeinsam ins Nancy Potter Center zum Mittagessen. Alles war weihnachtlich geschmückt und die alten Gäste mit ihren Begleitern haben sich offensichtlich wohlgefühlt, wir auch. Wir haben uns mit Julie gut unterhalten und gut gegessen, Julie hatte wohl noch einen Termin, und wir fuhren mit dem Bus zurück nach Exeter und kehrten ein im Common Beaver, wo Ian ganz oft Kaffee trinken geht. Sehr herzlich wurde er von der jungen Serviererin begrüßt und auch ich. So, als würden wir uns schon immer kennen. Sie hat sich in ihrer Trauer über ihren verstorbenen Freund Ian anvertraut und umgekehrt auch Ian und ihr auch über uns erzählt. Das kann vielleicht etwas Trost für sie sein. Ich wurde also schon von ihr „erwartet“. Kurz vor der Schließung des Cafe’s, als wir gehen wollten, schenkte sie uns noch etwas Gebäck zum Mitnehmen zum Frühstück für den nächsten Tag.

Common Beaver, Magdalen Road (rechts)