Saturday, January 17, 2026

St Leonard's und Exeter's Hafengebiet mit Kanal und Fluss, 10 Dezember

 10. Dezember 2025, Mittwoch

Heute gingen wir im Sandwiched Inn typisch englisch frühstücken (Spiegelei, Wurst, Bacon, baked beans, buttered.toast, hash brown. Hier bedient Sarah. Ian und auch ich wurden sehr freundlich von ihr begrüßt, Ian mit Umarmung. Sie war von Ian „eingeweiht“ über unser Kennenlernen und dass ich jetzt nach Exeter kommen wollte.

Sandwiched Inn, Magdalen Road, Exeter
Die Magdalen Road verläuft vom alten Südtor der römischen Stadt Isca Dumnoniorum durch St. Leonard's und weiter durch Heavitree in östlicher Richtung nach London. In St. Leonard's säumt eine interessante Auswahl an Geschäften und Restaurants, die landesweit bekannt ist, die Nordseite der Straße. Ian hat ein Buch geschrieben, das die Geschichte all dieser Gebäude bis in die 1830er Jahre zurückverfolgt, als die Straße erstmals gebaut wurde.
Magdalen Road, Exeter, nach Osten
Magdalen Road, Exeter, nach Westen
Östlich des Sandwiched Inn stand vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert ein Galgen, wie so oft an einer Grenze, in diesem Fall zwischen St. Leonard's und Heavitree. Gestärkt in Sanwiched Inn waren wir fit für einen Stadtspaziergang auf der anderen Seite der Stadt einschließlich großer Hafenwanderung, und wir wandten uns eher nach Westen. Ich bin immer wieder so begeistert von dieser schönen historischen Stadt mit ihre Kathedrale, ihren vielen Kirchen, der Stadtmauer mit Zeugnissen aus der Römerzeit und der Architektur. 
Ian führte uns durch Straßen mit typisch englischen Häusern, einige mit gepflegten Gärten, viele aber auch Reihenhäuser der Arbeiterklasse, oft ohne Vorgarten, dafür mit eisernen Schuhabstreifern vor der Haustür. Mitten in diesem Viertel stand das ehemalige Gemeindehaus von St. Leonard's, in dem Neil und Kate in den 1970er und 1980er Jahren die Kinderkrippe besuchten. Es war vor Kurzem von der Kirche an ein Architekturbüro verkauft worden, das einen großen Raum als Gemeindezentrum behalten hatte.
Saint Leonard's Church von Topsham Road 

Larkbeare, Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert
Wir überquerten die Holloway Street, eine vielbefahrene Römerstraße, die von Exeter nach Topsham führte, direkt unterhalb der St. Leonard's Kirche, wo ein Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert stand, und gingen zu einer der schönsten Reihenhaussiedlungen in Exeter, dem Colleton Crescent.
Colleton Crescent, Exeter
Dieser prächtige Häuserkomplex in Halbmondform wurde ab 1802 vom ortsansässigen Architekten Matthew Nosworthy erbaut und verfügt über Türen aus gegossenem Coade-Stein. Die Geschäftsführerin dieses erfolgreichen Londoner Unternehmens, Eleanor Coade (1733–1821), wurde in St. Leonard’s geboren. Als wir anhielten, um dieses Foto zu machen, hörte eine Frau, die im Garten arbeitete, unser Gespräch und erzählte, dass sie in Berlin gelebt hatte. Vom Rasen vor den Häusern bietet sich ein herrlicher Blick über den 30 Meter tiefer liegenden Fluss und über St. Thomas hinweg auf die Haldon Hills. Im 19. Jahrhundert jedoch waren die Bewohner des Colleton Crescent besorgt über die explosiven Substanzen, die in den in den Fels gehauenen Lagerhäusern darunter gelagert wurden.
Aussicht von Colleton Crescent bis St Thomas und Haldon Hills
Hinter dem Hauptquartier der Heilsarmee, wo Weihnachtskonzerte angekündigt wurden, und dem Cygnet Theatre, das ebenfalls Weihnachtsveranstaltungen bot, erreichten wir die Stadtmauer. Von dort führte ein Weg steil hinunter zum Watergate und zum Kai, überragt vom Custom House (Zollamt), erbaut 1680, einem der ersten Backsteingebäude Exeters mit prächtigen Stuckdecken und einer Inneneinrichtung wie ein Büro aus dem 18. Jahrhundert.
Custom House (Zollamt)
Exeter hatte Englands ersten Schiffskanal gebaut, der 1566 eröffnet wurde und die Wehre des Flusses Exe mithilfe von Schleusen umging. Von da an bis zum Bau der Eisenbahn in den 1840er Jahren spielten der Kai und das Kanalbecken eine wichtige Rolle beim Export von Textilien und Wolle, für die das Exe-Tal berühmt war.
Exeter's Hafen von Cricklepit Brücke
Von der Hängebrücke aus hat man einen herrlichen Blick auf den Kai und die imposanten Lagerhäuser, die jetzt überwiegend als kleine Geschäfte und Restaurants genutzt werden. Und das alles bei herrlichem Sonnenschein, frühlingshaften Temperaturen; die Menschen sitzen draußen vor den Restaurants. Mediteranes Fläir! Und immer wieder die Möwen mit ihrem Schreien und Lachen. Was für eine Schönheit und was für ein Zauber liegt über dieser Stadt. 

Wir schlenderten am Südufer des Flusses entlang, das von malerischen viktorianischen Straßenlaternen gesäumt war, die einst mit Gas, jetzt mit Elektrizität beleuchtet wurden, und betrachteten die in die Felswand unterhalb des Colleton Crescent gebauten Lagerhäuser aus nächster Nähe.
Alte Lampe und frühere Lagerkeller unter Colleton Crescent, Exeter
Das Kanalbecken wurde 1830 eröffnet, und ab 1867 betrieb die South Devon Railway eine Strecke mit Drehscheiben, um Waggons auf beide Seiten des Beckens zu rangieren. Eine dieser Drehscheiben ist erhalten geblieben, zusammen mit Abschnitten von drei Schienen, da die South Devon Railway bis 1892 eine breitere Spurweite von 2140 mm anstelle der Normalspur von 1435 mm nutzte. Diese Information verdanke ich Ian, der sich obsessiv für solche Details interessiert.

Kanalbecken mit Drehscheibe. Der Schiff ist ein Restaurant.

Wir kehrten ein in einem italienischen Cafe bei Lutzy, die Ian sofort nach langer Zeit wieder erkannte und sich über seinen Besuch freute. Bei einem guten Kaffee genießen wir dies alles. Es war so wunderschön. In diesem Augenblick war ich wahrscheinlich der glücklichste Mensch auf der Welt.

Kaffee bei Lutzy
Eingang des Kanalbeckens
Wir überquerten eine Drehbrücke am Eingang des Kanalbeckens und konnten sehen, wie das Wasser über die Hochwasserschutzbarriere stürzte. Es hatte tagelang stark geregnet, und das Land unterhalb dieser Barriere ist normalerweise trocken.
Hochwasserschutzbarriere. Hinten ganz rechts eine ehemalige Papierfabrik, jetzt Luxuswohnungen.
Hochwasserkanal, Blickrichtung Stadt
Hochwasserkanal, Blick auf die Exe-Mündung
Wir überquerten den Fluss Exe auf einer Hängebrücke und blickten zurück in Richtung Trew's Weir, das das Wasser für den Kanal zurückhält.

 River Exe mit Trew's Weir
Nun war es Zeit, nach Hause zurückzukehren, also machten wir uns auf den Weg zur belebten Topsham Road und überquerten diese, um in die Parkanlage rund um die County Hall (Grafschaftsrat) zu gelangen, wo der Coaver Club zwischen den majestätischen Bäumen auftauchte.
Der Coaver Club mit dem Uhrturm des Kreishauses in der Ferne. 
Mit Karten schreiben und einem guten Abendessen bei viel Kerzenschein und Weihnachtsmusik endete wieder ein schöner Tag.