28. Dezember 2025, Sonntag
Heute hat Neil Geburtstag und die Familie traf sich zum Mittagessen im Mount Radford. Julie traf pünktlich mit dem 57iger Bus ein. Wir waren alle fröhlich und haben uns angeregt bei gutem Essen und Trinken unterhalten - Hähnchenbraten und Gemüsen mit Glühwein. Dabei haben wir nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist, es ist Abend geworden und das Geburtstagskind hat unbemerkt uns alle beschenkt, indem er das ganze Geburtstagsessen selbst bezahlt hat als Ian Indi "lesen" anhörte. Das war allerdings anders gedacht von Ian. Glücklich haben wir uns voneinander verabschiedet und Neil hat Julie nach Hause gefahren. Wir sind nach Hause gelaufen und freuten uns jetzt auf einen ruhigen gemeinsamen Abend.
29. Dezember 2025, Montag
Neil hatte sich für 10.00 Uhr angemeldet, er habe noch etwas abzugeben. Er kam mit Indi, war aber etwas in Eile, denn bald darauf wollte er die Heimfahrt mit der Familie antreten. Aber die Zeit reichte aus, um uns noch etwas gemütlich zusammenzusetzen. Neil und Ian unterhielten sich angeregt, und Indi und ich blätterten zusammen in den Kinderbüchern (Peter Rabbit von Beatrix Potter). Es hatte mir viel Freude mit ihr gemacht. Sie ist sehr heiter und lacht viel. Wenn sie so herzlich lacht, muss man mit ihr einfach mitlachen; ihr Lachen ist so herrlich ansteckend. Sie ist ein wahrer Schatz und bereitet viel Freude.
Ian hatte seine Handschuhe und seine Pudelmütze verloren. Vermutlich gestern bei der Dartmoor-Tour; vielleicht sogar im Auto beim Aussteigen. Und tatsächlich Neil brachte einen Handschuh mit und zeigte auf Google Maps der ganzen Welt, wo genau vermutlich der andere in der Spicer Road liegt.
Nach einem herzlichen Abschiednehmen fragte meine Neugier bei Ian an, was denn Neil abgegeben habe. Ein Geburtstagsgeschenk für dich, war die Antwort. Ich war tief berührt, wir waren es beide. Wie liebevoll hat mich seine Familie angenommen. Hatte nicht Jill nach dem schönen Abend bei Kate vor drei Wochen doch die ganze Taxifahrt über auf dem Heimweg meine Hand gehalten. Beide hielten wir inne und konnten es kaum glauben, wie liebevoll wir aus allernächster Nähe umgeben sind. Wie glücklich können wir sein, und das sind wir auch – in tiefer Dankbarkeit.
In diese Stimmung hinein habe ich Ian erzählt, dass genau heute vor siebzehn Jahren Jürgen gestorben sei. Was für ein Tag! Trauer, Leid und Liebe! Wir haben Jürgen geehrt, Ian hat liebevoll an meinem Erzählen aus Jürgens Leben gehört. Er hätte so gern Jürgen kennen gelernt. Sie haben so vieles gemeinsam. Wie humorvoll doch beide sind und wie talentiert in allem. Unglaublich. Wir hielten noch lange inne und waren einig in unseren Tränen. Ian schlug vor, heute Nachmittag in die Kathedrale zu gehen und an den Weihnachtsbaum für Jürgen einen Wunschzettel zu hängen. Aber als wir ankamen, hatte die Kathedrale bereits geschlossen. So gingen wir in die katholische Kirche Sacred Heart, und ich zündete eine Kerze für Jürgen und setzte mich auf eine Bank und betete. Wie dankbar kann ich sein, einen solchen lieben Mann gehabt zu haben, der mich mehr liebte als sich selbst.
Tief beeindruckt von diesem bedeutungsvollen Tag wollten wir jetzt eine Tasse Kaffee trinken gehen. Ich wollte so gern dabei die Kathedrale sehen. Und da wir sowieso für den 2. Januar einen Tisch im französischen Restaurant gegenüber der Kathedrale reservieren wollten, gingen wir dort einen Cappuccino trinken. Ein schöner Fensterplatz erwartete uns mit Blick auf die Kathedrale. Rings um die Kathedrale war noch alles weihnachtlich festlich geschmückt. All das war genau das Richtige für diesen besonderen Tag.
30. Dezember 2025, Dienstag
Heute war wieder Julie-Tag. Und dazu auch wieder ein schöner Tag mit blauem Himmel und Sonnenschein. Wir fuhren mit dem Bus nach Topsham und waren pünktlich bei Julie eingetroffen. Ian hat die aktuellen Dokumente erledigt und dann war Julie auch so weit, dass wir essen gehen konnten. Das Gemeindezentrum hatte noch Weihnachtsferien, und so entschieden wir uns, in das Restaurant „The Cafe“ zu gehen. Es war noch weihnachtlich geschmückt und die Kuchenauslagen verführten zum Verweilen. Es war sehr voll, und wir mussten „Schlange“ stehen und auf einen Tisch warten. Aber dann endlich war es so weit, und wir konnten ein englisches Frühstück bestellen. Wie schön war es, auf diese Weise Tischgemeinschaft miteinander zu haben. Und der sehr gute Cappuccino war ein Genuss. Julie hatte noch einen Gang in die Apotheke, bevor sie nach Hause gehen konnte, und Ian wollte mit mir einen Ausflug ans offene Meer machen.
Wir fuhren mit dem Bus nach Exmouth. Es dauerte nur eine halbe Stunde, und wir waren dort. Ich war begeistert, wie die Freiwilligen in der Küstenstadt zusammenarbeiteten, um gestrickte Oberteile für die Briefkästen herzustellen. Diese Aktion ist in Städten und Dörfern in ganz England beliebt, und auch in Topsham hatte ich sie schon gesehen. Die Oberteile zeigten Weihnachtsmotive, darunter auch die Pantomime Cinderella (Aschenputzel).
Was für ein Traum; Alles passte wieder zusammen. Das Meer, unglaublich in seiner Weite und Freiheit, die Wellen turbulant aufgewühlt, der Himmel offen in allen Farben , die Möwen kreischend und die prachtvollen weißem Häuser an der Seepromenade aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, was für eine wilde Schönheit an diesem herrlichen Wintertag. Ich war überglücklich, dass ich so beschenkt werde.
Exmouth, an der Mündung des Flusses Exe ins Meer gelegen, entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum ersten Seebad Devons in England.
Wir gingen auf der Seepromenade spazieren, um abschließend in einem typischen englischen Pub einen Glühwein zu trinken. Hier war es gemütlich voll, jede Generation war : schrill, bunt, normal und komisch lustig. Und die Ausstattung kitschig bunt überladen mit viel Weihnachts-Klimbim. So etwas hatte ich noch nicht gesehen. Hier haben wir uns wohl gefühlt, es war unglaublich gemütlich.
Spannend war es auch, die unterschiedlichsten Gäste am Tresen zu beobachten. Alles war hier möglich: Flirten, Geschäftsgespräche, Familienleben. Ganze zwei Stunden waren wir im Pub.
Auf dem Weg zum Bus für die Heimfahrt wurden wir noch mit einem zauberhaften Abendhimmel belohnt. Der Mond so hell und fast voll rund. Überglücklich fuhren wir nach Hause.
31. Dezember 2025, Mittwoch
Wir hatten heute keinen Termin, konnten den Tag bei schönem Wetter mit einem Spaziergang zum Common Beaver beginnen. Das Common Beaver ist neben dem Kloster-Cafe unser Lieblings-Cafe. Wir gingen ins Waitrose einkaufen. Danach haben wir zuhause einen Waschtag eingelegt. Ian hatte zuvor sämtliche Jacken von Jill ausprobiert, und sie passten alle. Nun hieß es, sie alle zu waschen. Neben unserer üblichen Wäsche haben wir begonnen, einen Teil dieser Jacken zu waschen. Jetzt galt es, Sylvestergrüße zu versenden; ich selbst hatte schon viele erhalten. Und so war es nun auch die beste Zeit, unsere Kuchen-Monster zu verspeisen; eigentlich viel zu schade zum Essen. Sie waren zu komisch.
Am Abend hat Ian ein leckeres Essen zubereitet: Würstchen mit Kartoffel- und buntem Gemüse. Dazu gab es natürlich Sekt. Als Nachtisch wieder meine geliebten Mince Peis (Pims Mince). Es ist so gemütlich bei Ian in seinem Weihnachtszimmer. Ich fühle mich da so wohl und zuhause. Später am Abend haben wir etwas ferngesehen: Oldies aus den 60iger und 70iger Jahren. Und um 12 Uhr Mitternacht waren wir mit dabei, wie London das Neue Jahr begrüßt.
1. Januar 2026, Donnerstag
Heute ist das Wetter ziemlich kalt, aber Ian will trotzdem in den Garten gehen, viel zu viel ist liegen geblieben, und er will Mohrrüben ernten. Natürlich warm angezogen und mit Pudelmütze. Er hat viel zu tun, und ich schaue ihm aus dem Wohnzimmer immer wieder einmal zu. Und plötzlich fehlt die Mütze auf seinem Kopf. Mir geht es eiskalt durch den Körper. Er blieb lange im Garten und plötzlich steht er in der Küche vor mir mit der Pudelmütze wieder auf dem Kopf. Was für ein Schlingel. Bevor er ins Haus kam, hat er sie „brav“ wieder aufgesetzt. Wie sehr bin ich doch besorgt um seine Gesundheit, das weiß er. Aber wie haben wir doch darüber lachen müssen, ist es doch zu komisch. Wir haben uns etwas Schönes zu Essen gemacht. Danach Neujahrsgrüße versandt und den ganzen Tag über Weihnachtsmusik mit Weihnachtsliedern und immer wieder das Weihnachtsoratorium von J.S.Bach gehört. Wie schnell verging dabei die Zeit. Schließlich haben wir noch etwas am Computer gesessen und ein Glas Wein getrunken. So gin Wein gutg unser erster Tag im Neuen Jahr zu Ende.
2. Januar 2026, Freitag
Unglaublich, heute ist wieder Sonnenschein, und wir haben Einiges in der Stadt vor. Als erstes wollen wir meine zwei Kleider, die ich von Ian geschenkt bekommen habe, das eine zu Weihnachten, das andere zum Geburtstag, in der Länge ändern lassen. Als zweites wollen wir für mich einen Termin beim Friseur vereinbaren und fanden Hair Boutique neben Gandy Street, wo wir einen Beratungstermin erhalten haben.
Danach gehen wir in die Kathedrale. Was für eine Eleganz und was für ein christlicher Prunk, was für eine Schönheit. Unglaublich, wie man früher gebaut hat, Gottes Wohnung hier auf der Erde. Gut, dass jede Religion dieser Welt ihre eigene Kultur hat. Was für ein Reichtum. Und diese Kathedrale hier in Exeter wird mich fortan begleiten. Sie ist besonders schön und erhaben.
Die Kathedrale ist auch der Gemeinde zugewandt, und es gab eine Ausstellung "The art of appreciation", die sich über die gesamte Kathedrale erstreckte, bei der Künstler ihre Werke an allen möglichen Orten platzierten, darunter auch einige der mittelalterlichen Gräber.
Wir gehen spazieren und kehren in einem Restaurant an der Kathedrale ein, um einen Cappuccino zu trinken.Wir gehen noch etwas durch die weihnachtlich geschmückten Straßen und freuen uns, gleich Platz nehmen zu dürfen im französischen Restaurant „Cote“gegenüber der Kathedrale. Was für ein schöner Platz wartet hier auf uns, wir sitzen tatsächlich am Fenster und können wunderbar auf die Kathedrale schauen. Genau so, wie ich es mit gewünscht hatte. Die Speisen sind köstlich, der Wein gut, und wir in bester Stimmung bei angeregten Gesprächen. Ein glücklicher Abend. Auf dem Heimweg begleitet uns der Vollmond und überall an den Häusern festlicher Weihnachtsschmuck. Was für ein schöner Tag geht nun zu Ende.
3. Januar 2025, Samstag
Wie schön, auch heute hören wir wieder beim Frühstück das Weihnachtsoratorium - ist zu überbieten? Nur noch drei Tage, und dann ist Weihnachten auch schon wieder vorbei. Wir gehen in die Stadt um als erstes im Kloster-Cafe einen Kaffee trinken zu gehen und dann Kleinigkeiten und Küchenstuhlkissen zu kaufen. Leider war das Kloster-Cafe geschlossen. Wir spazierten die Gandy Street entlang und suchten das Cafe „Chococo“ auf. Wie verführerisch ist es hier. Die schönsten Confiserie-Auslagen. Wie hätte es anders sein können, natürlich haben wir uns verführen lassen. Schließlich ist nur einmal im Jahr Weihnachten. Zwei kleine schön bemalte Schneemanndosen sollten es noch unbedingt für Sennen und Pippa sein.
Nun waren die Küchenstuhlkissen an der Reihe. Wir gingen in das Kaufhaus John Lewis und fanden endlich die Abteilung, wo es Kissen gab; zwar keine Küchenstuhlkissen, aber doch geeignete, die mit wenig Änderung wunderbar zu dem grünen Tisch und den grünen Stühlen passen. Ja, sie gefielen uns sehr in ihrer grünen Bemusterung und Größe. Ein schöner Heimweg bei Vollmond und Sternenhimmel erwartete uns. Zuhause angekommen, haben wir sofort mit der Änderung begonnen und auch die Kissen gleich ausprobiert. Wir hätten keine anderen und schöneren Kissen kaufen können: die grüne Musterung in den Kissen hat genau dasselbe Grün der Möbel. Und nachdem wir noch die Tischbekleidung geändert hatten, erstrahlte die Küche im neuen Glanz.
Mit einem guten Essen und ein wenig Computertätigkeit endete wieder ein schöner Tag in Exeter.
4. Januar 2026, Sonntag
5. Januar 2026. Montag
Heute auch noch sehr glatt, so dass wir uns nicht hinaus wagten. Wie wunderbar geeignet, um „aus alten Zeiten“ zu erzählen. Kate hatte sich mit 6 Jahren einen Goldfisch zu Weihnachten gewünscht. Ian und Jill setzten alles daran, um den Wunsch perfekt zu erfüllen, kauften dem Goldfisch ein schönes Zuhause mit allem, was dazu gehört. Das Aquarium wurde ein Tage vor Weihnachten in eienm Bücherregal integriert und mit einem Vorhang versteckt. Dieser Vorhang, was mag nur dahinter sein? Wie aufregend und spannend für Neil und Kate. Endlich ist es so weit. Heute ist Weihnachten und der Vorhang darf fallen. Aber wie groß war die Enttäuschung. Kate hatte sich einen Plastikfisch gewünscht! Nun schwimmt immer noch nach über vierzig Jahren ein Goldfisch in einem Teich im Garten zur Freude der Enkelkinder.
Aber nicht nur Kinder haben Freude an Tieren, ob lebendig, aus Plastik oder aus Schokolade. Jill hatte über Jahre ein Kaninchen in Klarsichtfolie und Bändchen versehen in einem Schubfach im Wohnzimmer liegen und konnte sich nicht von ihm trennen. Ian wollte den Platz gern für etwas anderes nutzen, aber das war unmöglich, denn ein Kaninchen hat Anspruch auf einen gebührenden Platz.
6. Januar 2026, Dienstag
Wieder herrlichster Sonnenschein, aber immer noch glatt. Wir wollten den Vormittag deshalb zuhause bleiben und am Nachmittag überlegen, ob wir es wagen können, hinaus zu gehen. Am Nachmittag wagte es Ian. Ich selbst aber noch nicht. Ian wollte ein paar Dinge besorgen. Vom Budgen (kleines Geschäft, wo man alles bekommt), hatte er mir eine Nachricht geschickt, die mich etwas beunruhigte: „Etwas im Budgen gekauft. Eingeschlossen.“ Auf meine Frage, wie ich ihm helfen könne, kam die Antwort: „Keine Sorge, Trump schickt Rettungstruppen. Muss über New York reisen. In 15 Minuten zurück.“ Zu Hause angekommen, verabschiedete er sich vom Hubschrauber, winkte ihm ein Dankeschön zu, und ich war glücklich, dass er wieder heil daheim war und uns Hot Cross Buns mitbrachte, die wir sofort mit einer Tasse Tee ausprobierten. Bei Weihnachtsmusik arbeiteten wir beide am Computer und hatten uns zwischendurch ein langes Abendessen gegönnt.
Im Laufe des Tages hat mir Ian sein erstes Geschichtsbuch, das er mit zehn Jahren mit gezeichneten Bildern darstellte: die Enthauptung von König Charles I (1649), Prinz Charles versteckt sich in einer Eiche (1651), der Große Brand von London (1666), die Eroberung von Quebec (1759), die Schlacht von Plassey (1757) usw. gezeigt. Ich kann es nicht glauben, wie gut er zeichnend Geschichte darstellen kann, bis ins kleinste Detail und mit was für einen tiefgründigen Humor! Einfach genial. Jeder mögliche Vergleich verbietet sich für mich.
Im Jahr 2025 hatte Ian mir bereits ein Exemplar seiner Ausgabe von Huberts Schriften: Weimar und Eisenach: zwei historische Beiträge, (2025) geschenkt. Heute hat er mir einige seiner Bücher und Sonderdrucke gezeigt und vorgestellt und geschenkt:
- The London book trades, 1775 – 1800 : a preliminary checklist of members, 1977.
- From script to print to hypertext : two millennia of Devon’s written heritage, 1999.
- Bertuch und England : Vorbild oder Nachklang, 2000.
- The production and publication of topographical prints in Devon, 2005.
- Une comparaison transmanche : les gens du livre en Basse-Normandie et dans le sud-ouest de l'Angleterre au XVIIIe siecle, 2010.
- The story of the book in Exeter and Devon, 2021.
- The Baring-Gould Library the books at Lewtrenchard : a shelf list and guide including the Shacklock Collection, 2022. Jill hat dabei geholfen.
- Magdalen Road, Exeter : using historical sources to track Mount Radford village street through time, 2024.
- Nobody knew what they were : the rise and fall of Exeter's public heritage libraries, 2025.
- The writing of local history : an experiment at Exeter / a paper read by Professor W. J. Harte [...] 1923, 2025.
Wie stolz bin ich auf ihn.
Heute ist der letzte Weihnachtstag: „Heilige Drei Könige“, und wir haben ihn gebührend weihnachtlich mit J.S. Bach’s Weihnachtsoratorium ausklingen lassen.
7. Januar 2026, Mittwoch
Am 15. Januar geht es nach Berlin, und wir haben noch keine Fahrkarten nach London, um von London City Airport nach Berlin zu fliegen. Über Internet war es nicht möglich. So sind wir heute zum Bahnhof gefahren. Auch dort gab es große Probleme mit den Buchungen, weil alles auf ein neues System umgestellt worden ist. Aber schließlich konnten wir die Tickets bis London Paddington in den Händen halten.
Für Ian wollten wir heute eine graue Hose kaufen gehen, die Änderungsschneiderei für meine neuen gekürzten Kleider aufsuchen, beim Friseur einen Termin vereinbaren und einen Tisch für meine Geburtstagsfeier im französischen Restaurant Cote reservieren. Da ich nicht erwartet hatte, dass es gleich zum Hosenkauf kommen würde, suchten wir als erstes die Änderungsschneiderei auf. Wie freundlich war der Schneider wieder zu uns. Er hatte beim letzten Besuch unsere besondere Beziehung bemerkt, und Ian hatte sie ihm etwas erzählt. Und wie Ian nun versuchte, um den Hosenkauf herumzukommen; das war für uns beide schon amüsant. Schließlich hatten wir alles geschafft. Auch eine neue graue Hose!
Es war früh am Abend, und wir schlenderten rund um die Kathedrale. Was für ein schöner Platz! Die Kathedrale im Abendhimmelglanz und was für ein schöner Himmel. Alle Farben waren vertreten vom zartesten grau -rosa bis hin zum dunkelsten grau-schwarz. Und erst was für Wolkenformationen. Ein ganzes Märchenbuch wurde in ihnen wahr.
8. Januar 2026, Donnerstag
Es regnete den ganzen Tag in Strömen, aber wir mussten trotzdem raus, zu zweit unter einem großen Regenschirm. Wir machten uns auf den Weg zur St. Matthew's Kirche, wo die Beerdigung eines ehemaligen Arbeitskollegen von Ian stattfand.
Ian lernte Mike Maguire 1977 kennen, als dieser von der Guildhall Library in London nach Exeter kam. Viele Jahre lang war er Ians Chef in Exeter gewesen, und die beiden waren auch enge Freunde der Familie. Neil und Kate verstanden sich gut mit Mikes und Vickis vier Kindern in ihren verschiedenen, herrlich chaotischen Wohnungen. Mike war ein sehr fürsorglicher, tiefgründiger Mensch, immer hilfsbereit, aber er lebte nach einem ungewöhnlichen Zeitplan. E-Mails kamen mitten in der Nacht an, und einmal schlich sich Ian in sein Büro und steckte Zettel mit Aufschriften wie Eisenzeit, Bronzezeit, Neolithikum, Paläolithikum sowie Kambrium, Jura und Devon in seinen wackeligen Posteingang. Sie trafen sich auch außerhalb der Arbeit, so auch 2006 für einen wunderschönen Tag in Graz, Mikes Geburtsort. Er führte sie zu den besten Eisdielen.
Es war eine angemessene und würdevolle Trauerfeier für einen so beliebten Mann, und es war berührend zu sehen, dass seine beiden Söhne zu den Sargträgern gehörten. Wir blieben anschließend noch, um mit anderen Freunden und Kollegen zu sprechen, von denen Ian einige seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wegen des Regens konnten wir jedoch nicht zur Totenwache auf der anderen Seite der Stadt gehen.
Es regnete in Strömen, und wir überlegten, wie wir die fünf Stunden bis zu unserer Busfahrt nach Rewe am Abend für eine weitere Backgammon-Session am besten verbringen sollten. Wir hatten am Morgen den Beratungstermin mit Hair Boutique abgesagt, da Ian fand, es wäre übertrieben für einen einfachen Haarschnitt vor der Hochzeit am 16. Januar in Berlin.
9. Januar 2026, Freitag
Heute war mein Geburtstag, und Ian hatte alle Geschenke und Karten, die ich von seiner Familie bekommen hatte, auf dem Buffet im Speisesaal für meinen Geburtstag zusammengestellt.
10. Januar 2026, Samstag
Heute hatten wir uns mit Peter und Kate in Sidmouth verabredet. Ian und Jill kannten Peter seit 1967, als er vor seinem Universitätsstudium in der Bibliothek von Croydon arbeitete. Nach seiner Heirat mit Kate zogen sie gegenüber von uns nach Croydon, und sie und ihre beiden Kinder wurden enge Freunde.
Sie hatten ihren Ruhestand in Charmouth an der Küste von Dorset verbracht, wo sie Blindenhunde hielten. Da sie jemanden suchten, der sich um ihren jüngsten Welpen kümmern konnte, kamen wir nach einer Busfahrt durch die wunderschöne Landschaft auf dem Oberdeck eines Doppeldeckerbusses vor ihnen in Sidmouth an.
Sidmouth war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ein unbedeutendes Fischerdorf. Es wurde von Touristen entdeckt, die die malerische Landschaft und die gesundheitsfördernde Wirkung des Meeresbadens suchten. Ein gestochenes Panorama aus dem Jahr 1815 zeigt die Häuser entlang der Uferpromenade, von denen viele noch heute stehen.
Das Hotel hat die Rechnung aber immerhin als Entschuldigung um die Hälfte reduziert und wir nahmen den Bus in der Dӓmmerung nach einem wunderbaren Tag mit alten Freunden in einer bildschӧnen Stadt.
13. Januar 2026, Dienstag
Heute Morgen hatte Ian ein Treffen mit Exe Valley Design and Print und den Autoren der Broschüre über Countess Wear, die er für die Veröffentlichung durch die Exeter Civic Society vorbereitete. Da das Treffen in Marsh Barton, einem Gewerbegebiet, stattfand und recht früh begann, begleitete ich ihn nicht.
Er kam zufrieden mit den Ergebnissen des Gesprächs zurück, und wir aßen eine Kleinigkeit und fuhren dann zu Kate, um Pippas Geburtstag zu feiern, nachdem sie von der Schule nach Hause gekommen war. Wir fuhren durch Heavitree, ein ehemaliges Dorf, das heute ein Vorort von Exeter nördlich von St. Leonard's ist. Wir gingen am großen Krankenhaus vorbei, durch den Kirchhof der schönen Pfarrkirche, über die belebte Hauptstraße und in den Heavitree Pleasure Ground, einen beliebten Park, der 1906 vom Heavitree Urban District Council eröffnet wurde, bevor Heavitree Teil von Exeter wurde. Er wurde von F. W. Meyer, dem Gärtner aus Veitch, entworfen – ich frage mich, ob er mit ihm verwandt war. Hier befindet sich Parklife, ein lebhaftes Gemeindezentrum, wo Ian sich manchmal mit Freunden oder mit Kate und den Kindern trifft, die auf den Schaukeln und in den Planschbecken des nahegelegenen Spielplatzes spielen. Ian hatte bei einer Kunstveranstaltung der Gemeinde an ausgelassenen Tänzen zwischen den Bäumen teilgenommen, aber heute spazierten wir einfach durch den Park und zum Higher Cemetery (Oberen Friedhof).
Ian zeigte mir das Denkmal für die 186 Menschen, die 1887 beim Brand des Exeter-Theaters ums Leben gekommen waren – mehr als beim Luftangriff vom 3./4. Mai 1942. Auf dem Oberen Friedhof gab es Kriegsgräber, auf denen britische, Commonwealth-, polnische und deutsche Soldaten zusammen ruhen, aber wir hatten keine Zeit, sie zu besichtigen.
Es war schön, die Enkelkinder anlässlich Pippas 12. Geburtstags wiederzusehen. Wir blieben jedoch nicht lange, da Pippa und Sennen gerade aus der Schule kamen und später in der Woche noch weitere Feierlichkeiten geplant waren. Wir tauschten Geschenke aus, schnitten die Torte an und aßen sie. Wir tranken Tee und verabschiedeten uns mit herzlichen Umarmungen, da wir sie vor unserer Rückkehr nach Berlin nicht wiedersehen würden.
14. Januar 2026, Mittwoch
Es war mein letzter Tag in Exeter, und wir verbrachten ihn zu Hause mit Aufräumen, Putzen und Packen für die Reise. Ian erledigte noch ein paar letzte Gartenarbeiten, fegte Laub zusammen und sammelte Äste auf, damit die Biotonne für die nächste Abholung voll war. Kate wollte Sachen in unserer Garage und ihrem Zimmer lagern, da sie ihre eigene Garage umbauten, also mussten wir Platz schaffen.
Wir brachten die Glasflaschen zu den Containern im County Hall – hatten wir über Weihnachten wirklich so viel Wein getrunken? Auf dem Rückweg kamen wir am Coaver Club vorbei und gingen dort auf einen Kaffee. Wir wurden von der Managerin Kelly sehr herzlich empfangen, die bei unserem letzten Besuch nicht da gewesen war.
Am Abend war das Haus aufgeräumt und die Koffer gepackt. Mein Koffer war leichter als bei meiner Ankunft, sodass ich einige von Ians Sachen mitnehmen konnte, und er konnte alle Bücher, die er mir geschenkt hatte, in seinem Rucksack transportieren.
15. Januar 2026, Donnerstag
Der Tag meiner Rückkehr war gekommen, und wir waren um 5:00 Uhr aufgestanden, bereit für das Taxi, das für 6:00 Uhr bestellt war und sogar ein paar Minuten früher kam. So erreichten wir rechtzeitig den Zug um 6:52 Uhr vom Bahnhof St. Davids, der uns kurz nach 9:00 Uhr nach Paddington bringen sollte. Dadurch hatten wir genügend Zeit, den Weg zum London City Airport zu finden und den British-Airways-Direktflug um 13:40 Uhr nach Berlin zu erwischen.
Es blieb auch genug Zeit für eine kleine Panik, als Ian die Fahrkarten mit den reservierten Sitzplatznummern nicht finden konnte. Wir mussten sie ja gehabt haben, um durch die Schranken zu kommen, also ging Ian seine Schritte zurück, aber niemand an den Schranken hatte sie gesehen. Auch beim Kundenservice und am Fahrkartenschalter gab es keinen Erfolg, also kehrte Ian kreidebleich zurück. Wir mussten aber in den Zug, und Ian glaubte, sich an die Sitzplatznummern zu erinnern, obwohl sie nicht als reserviert gekennzeichnet waren. Wir setzten uns und suchten noch gründlicher in Taschen und Rucksäcken, bis wir sie schließlich unter dem Saum einer seiner Jackentaschen fanden.